Das Taschentuch und andere lustige Gedichte

Das Taschentuch

Ach, das ist so jammerschade,
immer liege ich in der Lade,
dunkel ist es um mich leider,
kann nicht sehen vor mich weiter
als bis zum Nachbartuch in weiß,
und muss gar flüstern – heimlich leis‘,
darf mich nicht so viel bewegen,
weil sich sonst die Falten legen,
was eigentlich doch glatt soll sein,
das findet niemand wirklich fein.

Doch – wenn ich mal der Lad‘ entsteig,
und mich der gleißend Sonne zeig,
kommt just in diesem Augenblick’ne böse Hand,
die mich zerdrückt, entfaltet, quetscht und an mir reibt,
bis nur ein Häufchen von mir bleibt.
Ganz zerknittert, nass und dreckig,
obendrein berotzt und speckig,
wandre ich dann in die Tonne,
aus ist’s mit der Frühlingssonne.

O weh – ich armes Taschentuch,
so liegt auf mir ein selten Fluch,
solange nutzlos, bin ich schön,
benutzt, da ist’s um mich gescheh’n.


Und Gott sprach…

Ach hätte ich nur die Finger davon gelassen,
aus den Resten einen Menschen zu machen
hat so nicht wirklich funktioniert.
Ich bin ein Trottel – mich geniert –
vor den Pflanzen und den Tieren,
müsste ich kriechen auf allen Vieren.

Sie hätten verdient,
besser behandelt zu werden,
wären allein besser dran
auf dieser Erden,
doch ändern kann ich es nicht mehr,
die Menschheit vernichten,
geht nicht mehr,
außer die tun es selber – wie ich seh,
ach, was tut das Herz mir weh.

Und der Mensch sprach …

Lieber Vater, gräm‘ dich nicht,
es ist gar nicht so schlimm,
es geht wirklich nicht gegen Dich,
dass ich so geworden bin.

Vor den Pflanzen und den Tieren
brauchst Du Dich doch nicht genieren,
auch sie sind nicht so recht geraten,
sieh nur die wässrigen Tomaten.

Die bekommen von uns eine Norm,
und dazu eine passende Form
für die stapelbaren Kisten,
und die Großhandelslisten.

Auch die Tiere erschaffen wir neu,
gerade wie es uns gefällt,
sieh Dolly – die war gar nicht scheu,
wenn auch ihr Leben kurz ausfällt.

Lieber Gott, Du bist nicht schlecht,
Deine Arbeit war eines Mannes recht,
doch wir sind viele – gegen Dich,
und im Kopieren meisterlich.


Adam

Adam ward von Gott geschaffen,
sagt die Bibel voller Stolz,
nach seinem Ebenbild, als Prototyp,
nicht als aufrecht Menschenaffen,
nicht aus teurem Tropenholz,
billiger: aus Fleisch und Blut.

Doch so allein war ihm nicht recht,
muss alles hier alleine machen,
niemand da für Lieb und Lust,
eine Gefährtin wär‘ nicht schlecht,
für all die vielen andren Sachen,
die ich im Paradies tun muss.

Das sagte er dem lieben Gott,
der eine Weile überlegt und spricht:

Du gibst ’ne Rippe, ich den Rest,
hier ist der Deckel für den Pott.
Aber nicht nur zur Hausarbeit
und Kinderkriegen,
für all die Dir leidigen Geschichten,
nein, auch zum zärtlich beieinander liegen,
sie wird mir hernach berichten,
ob Du nur Deiner Pflicht genügst
und sie sogar um Lieb‘ betrügst.

Da hatte Adam den Salat …
und versuchte den Spagat,
ihr zu gefallen und zu nützen,
sie zu lieben und zu schützen,
bis in die heutige neue Zeit,

mit all seiner Manneskraft –
manchmal hat er es geschafft.

Ich bin Dir zu Dank verpflichtet,
sagte Adam sodann zum lieben Gott,
und hoffe, sie hat nur Gutes Dir berichtet,
hab mich redlich um sie bemüht,
hab nur selten sie betrogen,
gar nur einmal angelogen,
als ich ihr sagte: ich lieb‘ nur dich,
die anderen, die lieb‘ ich nicht.


Schön

Echte Schönheit bleibt bestehen,
auch wenn Attribute vergehen,
volles Haar wird licht und grau,
straffes Fleisch wird müde,
bunte Farben werden lau,
schwer die leichten Füße.

Glatte Pfirsichhaut wird einmal spröde,
runzelig und fleckig noch dazu,
doch am Ende deiner Lebensjahre
kommt eine Erkenntnis dir hinzu:
in jeder Falte, Runzel, jedem Flecken,
kannst du dich selbst nur neu entdecken.


Homos

Homos – das sind kranke Menschen
mit abartigen sexuellen Wünschen,
ohne Sinn für Normalität,
mit asozialer Sexualität.
Sie wissen nicht, was richtig ist,
ein Homo ist wahrlich kein Christ.

Homos – die sind falsch gepolt,
sie gehören abgeholt,
eingesperrt und psychiatrisch umgestellt,
weil ‘s der Mehrheit so gefällt.

Homos – das sind Kriminelle,
gehören erschossen, auf der Stelle,
zumindest hinter Schloss und Riegel,
sonst wachsen ihnen auch noch Flügel,
die wir doch so gerne hätten
in unseren heterosexuellen Betten.

Homos – das sind böse Geister,
nur im Bett, da sind sie Meister,
ansonsten kann man sie vergessen,
sie sind ja doch nur sexbesessen
und taugen nicht zu rechtem Leben,
denen muss man Pillen geben.

Homos – haben falsche Gene
und psychiatrische Probleme,
was behandelt werden muss,
alles Unnormale ist doch Stuss.

Homos – taugen nicht zu Elitären,
die muss man rigoros bekehren,
schließlich muss man Hetero sein,
alles andere ist nicht fein.


Das Sonntagsei

Es war einmal ein Hühnerei
mit seinen Kumpels im Karton – gar drei,
sie waren weich und kühl gelagert,
im Regal, grau-weiß gemasert.

Eines Morgens wurd´ es wach
von einem riesengroßen Krach,
die beiden anderen sich stritten,
wer war am besten wohl gelitten.

Da sprach das eine zu den beiden,
das ist egal, wer schöner ist,
wir werden alle einmal leiden,
der Mensch uns dann zum Frühstück isst,
der Vitamine wegen und der anderen Sachen,
die uns zum Lebensmittel machen.

Morgen schon, da ist´s so weit,
der Topf mit Wasser steht bereit,
dann werden wir ´ne Runde schwitzen
und hernach im Becher sitzen,
dann saust der Brecher auf den Kopf,
die Schale wird nun aufgeklopft,
dann kommt der Löffel mit ins Spiel,
die Schale leeren ist sein Ziel.

Es ist egal, wie schön du bist,
weil am Ende nur
die Schale übrig ist.

—-

Die Moral von dem Gedicht,
werde lieber ein Ei nicht,
doch auch als Huhn da hast du ’s schwer:

Erst kommt der Hahn ständig angewackelt,
in einer Reihe zur Verfügung stehen,
die Hennen laut um Beistand flehen.

Und dann wird nicht lang gefackelt,
der Kopf kommt ab und auch die Federn,
in einem Wachsbad und mit Feuer
fürs Hühnerleben ein letztes Abenteuer.

Ein Topf mit kochend heißem Wasser steht bereit,
und du – von allem Äußeren wie Inneren befreit –
senkst dich in die heiße Suppe,
aus ist ’s mit der Hühnerpuppe.

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4 Gedanken zu „Das Taschentuch und andere lustige Gedichte“

  1. Katharina, ich nahm an, das wären alles deine Gedichte. Wie gesagt, mir gefallen die Gedichte, allerdings habe ich zu dem Gedicht „Homos“ meine eigene Meinung, und die stimmt mit den Worten in dem Gedicht nicht überein… Liebe Grüße, Heidi.

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