Zwei Kreise – eine philosophische Betrachtung

Am Ende sind diese „zwei Kreise“ als Bild auf viel mehr im Leben anzuwenden. Der Leser mag sich sein Bild machen.

Zwei Menschen, die sich gefunden haben, sind wie zwei bunte Kreise, deren Rän­der miteinander verschmelzen. Je tiefer die Beziehung wird, desto größer wird die Fläche, die sich beide Kreise teilen. Die beiden Kreise bewegen sich aufein­ander zu, solange ihre Gefühle leben. Und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr weiter geht, an dem die Kreise ihren Platz gefunden ha­ben. In der Schnittmenge ihrerselbst befinden sich die gemeinsamen Gefühle, Gedanken, Ideale und Wünsche.

Hier zeigen sich Stabilität und Intensität ihrer Partnerschaft. Je mehr Gemeinsamkeiten sich in dieser Schnittmenge befin­den und umfangreicher ihr gemeinsamer Nenner ist, desto stabiler sind die Brücken, die beide Kreise verbinden. Die Fläche, die sich dann beide Kreise teilen, ist ihre Form der Partnerschaft, ihre Gemeinsamkeit, ihre Gegenwart und Zukunft. Die freien Flächen zeigen die Eigenständigkeit jedes Einzel­nen, sie sind die persönlichen Werte, ihre Geschichte, die ohne den anderen ge­lebt wurde. Diese Geschichte ist es, die das Individuum ausmacht und ihn vom anderen unterscheidet.

Niemals werden sie einen einzigen Kreis bil­den können, gar deckungsgleich miteinander verschmelzen oder zu einer to­talen Einheit verbinden können. Immer wird und muß zu erkennen sein, daß es sich um zwei Kreise handelt. Sollten beide Kreise je zu einem einzigen ver­schmelzen, kann niemand und am wenigsten sie selbst noch erkennen, wer sie sind. Der Verlust der Identität ist vorprogrammiert.

Im Laufe der Zeit werden aus zwei kleinen, alleinstehenden Kreisen Kreise, die ein gutes Stück ineinander gewachsen sind, die den Eindruck einer Einheit geben und in ihrer Schnittmenge jene Einheit sind. Die Farben ihrer Kreise mischen sich und potenzieren ihr Spektrum. Jeder gibt einen Teil seiner Far­ben ab und erhält dafür ein gleich großes Stück der Farben des anderen. Beide gewinnen dadurch, sie werden bunter, die Schnittmenge wird farbenfroher, und gleichzeitig wird jeder Kreis größer.

Mit der Zunahme an eigener Größe nimmt auch die Schnittmenge einen optisch größeren Raum ein. Doch sie wächst aber nur im gleichen Maße wie die Kreise selbst. Wobei es aber von Vorteil ist, Raum zu lassen, damit sich die Gemeinsamkeiten entfalten und frei bewegen können.

Anders käme es zwangsläufig zu schweren Verletzungen der schmalen Brücken. Dann würden sie Gemeinsames verlieren, es wäre unwiederbringlich verloren. Gleiches kann passieren, wenn ein Kreis schneller wächst, oder wenn ein Kreis sich auf den anderen zu sehr zu bewegt. In solchen Fällen zerreißen die schmalen Brücken und es geht die tatsächliche Schnittmenge verloren, ein Bruch der Partnerschaft ist die Folge. Denn ausschließlich an der Stabilität der Brücken zeigt sich die Stabilität der Kreise.

Kleine Risse sind sicher zu verschmerzen, da nicht immer beide Kreise gleichmäßig wachsen. Diese Risse bedeuten nicht den Verlust von Farbe, aber sie stellen die Partnerschaft auf die Probe. Für den Zusammenhalt der Kreise ist es wichtig, daß jeder die Möglichkeit hat, sich selbst noch als eigener Kreis wahrzunehmen. Dazu ist es notwendig, mit allen Mitteln das Ver­schmelzen der Kreise zu verhindern. Dies gilt insbesondere, wenn die Bindung sehr intensiv ist.

Jedoch sind sie es auch nur dann, wenn sie Bewegungsfreiheit haben, ähnlich den selbst tra­genden Brücken, die auf Rollen oder Kugellagern schweben und Schwan­kungen abfangen kann.
In den freistehenden Flächen der Kreise befinden sich die Ideale und Vor­stellungen der Partner, die ihr eigenes Leben und ihre Ziele betreffen. Dort wächst der Mensch und erweitert sein eigenes Ich. Das hat zur Folge, daß die Schnittfläche zwischen den Kreisen größer wird und beide davon profitieren.

Beide Kreise machen im Laufe der Zeit ihre eigene Entwicklung durch. Jedoch ist der Partner immer daran beteiligt, aber ausschließlich in der Schnittmenge. Eine sich stetig wandelnde Schnittmenge verändert auch die Farben der äuße­ren Kreisflächen – sie gestalten sich wechselseitig.

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