Tribaden und andere Lesarten …

Dieser Text ist etwa 25 Jahre alt. Leider erweist er sich in vielen Teilen als aktuell. Schade dass der Mensch oft nur in technischer Hinsicht fortschrittlich denkt. – Ich bin gut, die anderen sind schlecht…

Eine Lebensphilosophie

Schon einiger Zeit ist die Bereitschaft der Gesellschaft zu spüren, sich mit dem Thema Homosexualität auseinanderzusetzen. Woher diese Offenheit in der Diskussion kommt, liegt in verschiedenen Motiven begründet. Und die Medien haben ihren, nicht immer gelungenen, Beitrag dazu geleistet. Und das nicht nur, weil es Menschen gibt, die sich oder andere in den Medien als homosexuell bezeichnen.
Die Form der Auseinandersetzung ist allerdings oftmals noch nicht über die Verunglimpfung dieser Lebensform hinausgekommen. Und auch aus der „Szene“ selbst kommen immer wieder Beiträge, die durchaus nicht immer dazu geeignet sind, eine sachliche Auseinandersetzung über Homosexualität in der Gesellschaft anzustrengen. Heteros sind gut, Homos sind schlecht. Auf dieser Ebene ist eine konstruktive Diskussion wohl kaum möglich.
Homosexuelle Lebensweise ist nichts anderes als der Versuch, mit einem gleichgeschlechtlichen Partner eine Lebensgemeinschaft zu führen. Sie machen es nicht besser oder schlechter, denn da tauchen die gleichen Probleme auf, wie in „normalen“ Beziehungen. Eine heterosexuelle Partnerschaft lebt und stirbt aus den gleichen Gründen, die den Fortbestand oder das Ende einer homosexuellen Beziehung begründen.
Homosexualität war zu anderen Zeiten ein Grund für strafrechtliche Verfolgung, Kasernierung, Tötung. Auch wenn sich die Zeiten geändert haben, sind Homosexuelle auch heute noch Diskriminierung und Benachteiligungen ausgesetzt. Von Toleranz gegenüber Randgruppen und einem Miteinander aller Lebensformen sind wir noch sehr weit entfernt. Ausländerfeindlichkeit, Rassenhass, Minderheiten und Diskriminierung sind Schlagworte, die immer wieder zu Diskussionen führen, die meist an Sachlichkeit vermissen lassen.
Obwohl es nicht leicht ist, sich in einer stark heterosexuell geprägten Gesellschaft zu behaupten, kann es als positive Errungenschaft angesehen werden, das Homosexualität kein Fremdwort mehr ist. In einer Gesellschaft – die sich Brüderlichkeit, Gleichberechtigung und die Freiheit des einzelnen auf die Fahne geschrieben hat – dürfte es eigentlich überhaupt keinen Grund geben, dass sich irgendwer für sein Leben rechtfertigen muss, warum er/sie so lebt wie er/sie lebt. Schließlich fragt keiner, warum ein Mann mit einer Frau zusammen ist.
Homosexuelle Männer haben es im allgemeinen etwas leichter, vielleicht weil es Männer sind. Homosexuelle Frauen hingegen bieten oft Zündstoff, meist aber in Männergesprächen. Sie entziehen sich dem direkten und indirekten Einfluss der Männergesellschaft. Sie gehen in Frauencafés, sie arbeiten oft in frauenspezifischen Berufen, leben mit und für die Frauen und untergraben patriarchalische Strukturen. Und welcher Mann lässt sich das gefallen? Der Beschützerinstinkt und das Machtstreben der Männer ist dabei aus den Angeln gehoben. Denn in der heutigen Welt kann eine Frau ganz gut ohne die Männer als Haushaltsgeldgeber leben, weil es für sie möglich ist, für den eigenen Lebensunterhalt aufzukommen.
Homosexualität wird meist hinter verschlossenen Türen gelebt und muss dennoch noch weit mehr versteckt werden. Das hat seine Ursache in der Selbstverständlichkeit, mit der die heterosexuelle Gesellschaft andere Lebensformen sanktioniert. Sowie Andersdenkende, Ausländer und andere Minderheiten, werden Homosexuelle Sanktionen, Repressalien und Diskriminierung ausgesetzt. Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche werden zu einem Problem, wenn die eigene unnormierte Sexualität öffentlich wird. Denn Anderssein bedeutet ausgegrenzt zu werden, besonders, wenn man den Mut hat, offen zu sich zu stehen.
Outing erhitzt die Gemüter auf beiden Seiten. Das unfreiwillige Coming-Out, wenn es dann auch nicht immer richtig ist, trägt wenig zum Verständnis der Probleme der Homosexuellen bei. Denn eine öffentliche Person kann nicht zwangsweise dazu verpflichtet werden, sich zu seiner Sexualität zu bekennen und für die Homosexuellen einzusetzen. Wenn die Gesellschaft eines Tages dazu übergeht, Homosexualität als eine Variante des Zusammenlebens zu betrachten; zu akzeptieren, dass es auch anders geht und Homosexualität nicht auf die Sexualität des Menschen reduziert wird, dann wird es in absehbarer Zeit möglich sein, ein Neben- und Miteinander aller Menschen zu ermöglichen. Dieses Miteinander gelingt aber nur, wenn jeder den anderen als das akzeptiert bzw. respektiert, was er in erster Linie ist – ein Mensch. Das gilt für Ausländer, politisch Andersdenkende wie auch für Homosexuelle. Keine Lebensform, keine Hautfarbe oder politische Partei berechtigt zur Unterdrückung Andersartiger, es gibt nicht das eine allein selig Machende. Jede Seite hat ihr Für und Wider.
Der Mensch steht im Mittelpunkt, egal was er ist, wie er aus sieht, wie er lebt. Wenn die Gesellschaft erst einmal begriffen hat, dass anders Denkende, anders Lebende eine Bereicherung ihrerselbst darstellen, dann wird ein Neben- und Miteinander erst wirklich möglich. Zu dieser Koexistenz gehört auch die Unterscheidung der Homosexualität. Es gibt schwule und lesbische Homosexualität. Im Wesentlichen wird die lesbische Liebe eher akzeptiert, von heterosexuellen Frauen wie Männern. Die schwule Homosexualität leidet sehr unter dem Image der Gewalt und Brutalität, das noch nicht einmal grundsätzlich stimmen muss. Wobei man den lesbischen Frauen dies nicht zutraut, ihnen manchmal sogar die Sexualität ganz abspricht.
Bei dieser Unterscheidung steht in erster Linie die Sexualität im Vordergrund. In den meisten Fällen homosexueller Lebensart überwiegen Gleichberechtigung, Förderung der Selbständigkeit und des Kollektivs und das Recht auf ein eigenes Leben. Das ist unserer Gesellschaft in mancher Hinsicht abhanden gekommen. Die Argumente der Gesellschaft sind so alt wie die Vorverurteilungen anders Lebender.

Wenn ich mir diesen Text noch einmal durchlese, müsste ich manche Sätze heute anders schreiben, aber eben nicht alle… schade, dass der Mensch sich so schwer tut, den anderen so zu lassen, wie er ist. Andererseits lassen manche Menschen auch kein gutes Haar an den anderen.

Toleranz heißt für mich: lass ich dich, lässt du mich … und dabei geht es nur am Rande um Sexualität.

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